Maisberger und Nemetschek veröffentlichen Europaweite Studie: „Neue Geschäftspotenziale für Architekten und Ingenieure“
18. Juli 2005 - Die exakte Mengen- und Kostenermittlung bei Bauprojekten gewinnt immer größere Bedeutung – das zeigt die europaweite Studie „Neue Geschäftspotenziale für Architekten und Ingenieure“, die Maisberger im Auftrag der Nemetschek AG durchgeführt hat. Befragt wurden 767 Architektur- und Ingenieurbüros in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Österreich, Spanien, Tschechien und der Schweiz. Im Fokus der Befragung standen aktuelle und künftige Trends der Baubranche.
In Fachkreisen gelten heute acht Prozent Baukostenabweichung als Durchschnitt. Bei einem jährlichen Bauvolumen in Deutschland von rund 200 Milliarden Euro entspricht eine Senkung um bis zu fünf Prozentpunkte Einsparungen von bis zu zehn Milliarden Euro. Einer der wichtigsten Faktoren bei der Realisierung dieser Vorgaben beziehungsweise möglicher Einsparpotenziale ist der Einsatz geeigneter Software, die eine exakte Kostenplanung liefert. In der Untersuchung nennen 50,7 Prozent der befragten deutschen Architekten und Ingenieure die Mengen- und Kostenermittlung als wichtigen Funktionsbereich einer optimalen AEC-Software (Architecture, Engineering and Construction). Hinzu kommt, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen (HOAI - Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) diese dazu verpflichten, Bauprojekte im Rahmen ihrer Kostenschätzung durchzuführen. Vor diesem Hintergrund wirden realistische Kostenprognosen zum entscheidenden Erfolgsfaktor.
Berufsbild im Wandel: Vom klassischen Entwerfer zum Unternehmer
Doch noch sieht die Realität anders aus: Zur Mengen- und Kostenermittlung setzen 26,3 Prozent der deutschen Architekten und Ingenieure Excel ein, 13,8 Prozent verwenden keine Software und verlassen sich vollkommen auf ihren Taschenrechner. Mehr als zwei Drittel der europäischen Architekten und Ingenieure möchten in den nächsten drei Jahren in IT investieren „Das Thema Kostenmanagement bietet großes Potenzial für die Branche. Nemetschek sieht in diesem Bereich für die kommenden Jahre gute Wachstumschancen“, erklärt Gerhard Weiß, Vorstandsvorsitzender der Nemetschek AG.
Neue Geschäftsfelder: Bauen im Bestand sowie ökologisches und altersgerechtes Bauen
Zu den aussichtsreichsten künftigen Geschäftsfeldern zählen die deutschen Architekten und Ingenieure mit 68,4 Prozent das Bauen im Bestand sowie mit 48,7 Prozent ökologisches und altersgerechtes Bauen (51,4 Prozent und 46,4 Prozent im europäischen Durchschnitt). Die Aufteilung des Auftragsvolumens auf Neubau (Hochbaubereich) und Bestand liegt im europäischen Durchschnitt bei 60 zu 40 Prozent. In Deutschland ist der Anteil Bauen im Bestand sogar höher und beträgt 47,5 Prozent. Von den rund 37 Millionen Wohnungen in Deutschland sind laut Angaben von Euroconstruct (Dezember 2004) etwa zwei Drittel älter als 25 Jahre und damit kurz- bis mittelfristig renovierungsbedürftig. „Wir beobachten die positive Entwicklung in Gesamteuropa seit einiger Zeit und bekamen nun bestätigt, dass unsere Schwerpunkte wie Planen im Bestand richtig sind und noch sehr viel Marktpotenzial für uns vorhanden ist“, so Gerhard Weiß.
Größte Herausforderung: Kompensation des Nachfragerückgangs
In Deutschland sehen 48,7 Prozent der Befragten den Nachfragerückgang als größte Herausforderung. Europaweit geben dies nur 28 Prozent an. Auf den Plätzen zwei und drei folgen in Deutschland der wachsende Wettbewerbsdruck sowie neue Kundenanforderungen. Fast die Hälfte der befragten deutschen Büros begegnen diesen Herausforderungen, indem sie neue Kundengruppen und Geschäftsfelder erschließen. Als weitere Maßnahmen werden die Vergrößerung des Aktionsradius und Investitionen in Software genannt.
Konjunktur: Gedämpfter Optimismus
Die deutschen Architekten und Ingenieure schätzen ihre eigene wirtschaftliche Lage und die Perspektiven als verhalten ein. Es gibt jedoch einen leicht positiven Ausblick für die Branche. Während derzeit nur 30,9 Prozent der Befragten in Deutschland die eigene wirtschaftliche Lage als eher gut bezeichnen, schätzen 34,2 Prozent ihre künftige wirtschaftliche Situation in den nächsten drei Jahren als positiv ein. Die Grundstimmung in Europa ist deutlich positiver. Die Mehrheit von 51,6 Prozent der Befragten bewerten ihre aktuelle wirtschaftliche Situation als eher gut oder sehr gut, für die Aussicht in drei Jahren verbessert sich der Wert auf 56,3 Prozent.
Europäischer Architekturmarkt im Aufschwung
Obwohl die Wachstumsraten 2005 und 2006 voraussichtlich hinter der Gesamtwirtschaft zurückbleiben werden, scheinen die schwierigen Jahre überwunden zu sein: Nach einem leichten Rückgang der europäischen Bauwirtschaft 2002 und der Stagnation 2003, wuchs die Bauwirtschaft 2004 um zwei Prozent. Wachstum wird insbesondere im Planen und Bauen im Bestand, im ökologischen und altersgerechten Bauen sowie bei Beratungsleistungen erwartet.
Über die Studie
Für die europaweite Studie „Neue Geschäftspotenziale für Architekten und Ingenieure“, die Maisberger in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Infotab im Auftrag der Nemetschek AG durchgeführt hat, wurden 767 Architektur- und Ingenieurbüros in acht europäischen Ländern befragt (Deutschland, England, Frankreich, Italien, Österreich, Spanien, Schweiz und Tschechien). In Deutschland wurden 152 Unternehmen in die Untersuchung einbezogen. Im Fokus der Analyse stand die aktuelle und künftige Entwicklung der Branche. Hierzu zählt unter anderem die Rolle der verwendeten Software im Hinblick auf die Service-Qualität und die Evaluierung der einzelnen Anbieter sowie die Entwicklung des Rollenverständnisses von Architekten und Ingenieuren.