Vier Fragen an Samuel Bouchard, Mitbegründer und CEO von Robotiq

Wir haben mit dem Mitbegründer und CEO von Robotiq, Samuel Bouchard, über PR für die Automationsbranche, Einsatzmöglichkeiten sowie Potentiale im Bereich der Mensch-Roboter-Kollaboration gesprochen.

Der kanadische Hersteller Robotiq entwickelt Robotergreifer, Sensoren und Bildbearbeitungsprogramme, um Roboteranwendungen flexibler und deren Integration einfacher zu machen. Das 2008 gegründete Unternehmen hat es sich zum Ziel gesetzt, Menschen von belastenden, monotonen und mühevollen Arbeiten zu befreien, damit sich Unternehmen und deren Mitarbeiter auf echte Wertschöpfung konzentrieren können.

Seit einigen Monaten ist Robotiq auf dem deutschsprachigen Markt aktiv und startete gleich mit einem Auftritt auf einer der wichtigsten europäischen Automationsmessen, der Automatica 2016 in München. Maisberger unterstützte Robotiq dabei mit verschiedenen Kommunikationsmaßnahmen.

Wir haben mit dem Mitbegründer und CEO von Robotiq, Samuel Bouchard, über PR für die Automationsbranche, Einsatzmöglichkeiten sowie Potentiale  im Bereich der Mensch-Roboter-Kollaboration gesprochen. 

Robotiq ist kürzlich auf dem deutschsprachigen Markt aktiv geworden und hat seinen Markteintritt mit verschiedenen Kommunikationsmaßnahmen begleitet. Wie wichtig ist PR Ihrer Ansicht nach gerade für die Automationsbranche und waren die getroffenen Maßnahmen erfolgreich?

Maisberger unterstützte Robotiq bereits einige Monate vor der Automatica, die die wichtigste Messe für uns in Europa darstellt. Die Agentur hatte viele gute Ideen und – und das war entscheidend – enge Kontakte zu den richtigen Journalisten. So konnten wir unsere Geschichte nicht nur den deutschen Key-Medien erzählen, indem wir Artikel platzierten und Pressemeldungen verschickten, sondern auch direkt mit den Journalisten sprechen, um eine persönliche Beziehung aufzubauen. Die Ergebnisse waren entsprechend. Wir fanden uns in den wichtigsten Automations- und Robotikmedien wider. Außerdem besuchten uns viele Interessierte an unserem Messestand auf der Automatica, einfach, weil sie schon von uns gehört hatten.

Ich hätte nicht gedacht, dass Kommunikation so einen Einfluss hat und bin daher nun überzeugt, dass gezielte Öffentlichkeitsarbeit definitiv dabei unterstützt, ein Unternehmen voranzubringen. Bezüglich der Automationsbranche denke ich, ist PR wichtig, weil die Thematik viele Aspekte umfasst, die erklärungsbedürftig sind, wie zum Beispiel die Technologie selbst, aber auch, die Art der Anwendung oder mögliche Bedenken, die die Leute haben könnten.

Anwendungen im Bereich der Mensch-Roboter-Kollaboration sind ein brandheißes Thema für viele Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen. Wie reagieren Sie, wenn Menschen dem skeptisch gegenüber stehen oder sogar Angst davor haben?

Anwendungen im Bereich der Mensch-Roboter-Kollaboration sind schon lange ein viel diskutiertes Thema in der Branche. Allerdings arbeiten Mensch und Roboter in den meisten Fällen nebeneinander anstatt tatsächlich miteinander. Die Anwendungen können aber in der Regel bereits ohne Schutzzaun betrieben werden. Das ist ein großer Gewinn für viele Unternehmen, da Arbeiter beispielsweise keine ergonomisch ungünstigen Aufgaben mehr ausführen müssen. Meiner Ansicht nach müssen nun jedoch Technologien, Regeln und damit Anwendungen weiterentwickelt werden, um Hand in Hand mit der Maschine arbeiten zu können. Möglich wird das mit der Hilfe von Sensoren und sensiblen Werkzeugen.

Noch vor einigen Jahren war das Image von Robotern ein ganz anderes. Sie hantierten mit schweren Teilen und führten gefährliche Aufgaben durch. Jetzt werden sie so gebaut, dass sie sicher direkt neben und mit dem Menschen arbeiten dürfen. Sie sind nutzerfreundlicher und benötigen keine Trennzäune.

Roboter nehmen dem Menschen in ihrer neuen Gestalt keine Arbeitsplätze weg, sondern unterstüzten sie in ihren Aufgaben. Die Roboter übernehmen das Handling von Teilen oder monotonen bzw. gefährlichen Aufgaben, während die bisherigen Arbeiter sicherere oder interessantere Tätigkeiten ausführen.

Sollten Menschen skeptisch sein, sprechen wir deren Ängste und Vorbehalte offen an, hören ihnen zu, erläutern ihnen die entsprechenden Details und mögliche Konsequenzen eines Robotereinsatzes.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach der Markt entwickeln? Welche Industriezweige werden in den nächsten Jahren die Integration von Robotern und ganz speziell Mensch-Roboter-Kollaborationen in Angriff nehmen?

Viele Unternehmen können von Mensch-Roboter-Kollaborationen profitieren. Während viele große Unternehmen die Vorteile bereits nutzen, steht es für kleine und mittelständische Betriebe noch nicht auf der Tagesordnung, mit Robotern zu arbeiten. Hier sehe ich großes Potential. Denn gerade für kleine Unternehmen, die kein großes Budget, wenig Platz und Erfahrung mit Robotern haben, ist die Lösung perfekt.

Zudem setze ich stark auf die Logistikbranche. Bessere und günstigere Bildverarbeitungssysteme mit immer mehr Funktionen, wie etwa 3D-Darstellungen, ermöglichen es Unternehmen, immer ausgereiftere Methoden für den Materialtransport in Fabriken, Lagerhallen und Distibutionszentren anzubieten.

Wie wird die Welt der Robotik aus Ihrer Sicht in zehn Jahren aussehen?

Roboter werden künftig einen noch größeren Einfluss auf unsere Gesellschaft haben als heute schon. In zehn Jahren werden sie unser Leben in allen Bereichen vereinfachen – indem sie uns unsere Finanzfragen in der Bank beantworten, uns Brot in der Bäckerei verkaufen, Altenpfleger unterstützen oder in einer Produktionsstätte arbeiten. Roboter werden uns zudem in unterschiedlichen Formen begegnen, zum Beispiel als selbstfahrendes Auto.

Ich bin sehr gespannt darauf, wie Roboter die Automotive-Branche verändern werden, den in Sachen selbstfahrende Autos wird sich in den nächsten Jahren viel tun.

Branchenübergreifend ist es unsere Aufgabe, die Entwicklungen im Bereich Robotik aufmerksam zu begleiten. Es gibt Meinungen, nach welchen Roboter unsere Welt dominieren werden. Aber ich bin überzeugt davon, dass es an uns ist, den Robotern Regeln und Normen zu geben, um Menschen zu respektieren und unser Leben in erster Linie zu verbessern. Es wird in jedem Fall ein aufregender Weg und eine Herausforderung, die Zukunft aktiv und verantwortlich mitzugestalten. 

Fünf Kommunikationstipps für Robotik-Startups:

  • Definieren Sie Kernbotschaften und Ziele für Ihre Kommunikation und heben Sie sich so von Ihren Mitbewerbern ab. In Erinnerung bleiben Sie zudem, indem Sie Ihr Unternehmen und ihre Produkte mit Ihrer persönlichen Geschichte und Vision unterfüttern. 
  • Journalisten und Blogger sind wichtige Multiplikatoren, die Ihre Story weitererzählen und maßgeblich zur Steigerung Ihres Bekanntheitsgrads beitragen. Bieten Sie diesen hochwertige Inhalte und bauen Sie persönliche Beziehungen auf.
  • Lassen Sie die Hosenträger schnalzen und vermitteln doch anschaulich, dass und wie Ihr Produkt funktioniert und Unternehmen voranbringt: Lassen Sie Ihre Kunden in Anwenderberichten und Erfolgsgeschichten für Sie sprechen. Authentischer geht es kaum.
  • Digital ist besser. Oder anders gesagt: Eine ganzheitliche Kommunikationsstrategie spricht Ihre Zielgruppe off- wie online an und wirkt so nachhaltiger. Mit sorgfältig entwickelten Maßnahmen generieren Sie so Leads und unterstützen Ihren Vertrieb.
  • Prüfen Sie den Erfolg Ihrer Kommunikationsaktivitäten und machen Sie diesen mit Hilfe intelligenter Monitoring-Tools sichtbar. Manchmal reicht es, ein wenig an den Stellschrauben zu drehen, um zum Thought Leader auf Ihrem Gebiet zu werden.
 

Kurzbio:
Samuel Bouchard

Samuel Bouchard, Mitbegründer und CEO von Robotiq

Samuel Bouchard ist Chief Excutive Officer von Robotiq, er hat das Unternehmen 2008 mitgegründet. Samuel Bouchard hat im Fachgebiet Maschinenbau promoviert und hat einen Bachelor-Abschluss in Technischer Physik der Universität Laval. Er hält regelmäßig Vorträge auf internationalen Veranstaltungen zu Robotertechnik und Wirtschaft.