Kommunikation, die Werte schafft - Maisberger

Reportage: Auf dem Weg in die neue Arbeitswelt

Andere Länder sind auf dem Vormarsch. Die Innovationszyklen werden immer kürzer, gesellschaftliche Umbrüche zunehmend radikaler. Die digitale Transformation bringt Unternehmen in Zugzwang. Wie sieht die Arbeitswelt 2020 aus?

Die Entwicklung der Menschheit ist geprägt durch technologischen Fortschritt. Technologien sind es, die unsere Gesellschaft grundlegend und nachhaltig verändern: Die Erfindung des Buchdrucks machte einer breiteren Masse Bildung zugänglich, die Erfindung der Glühbirne machte die Nacht zum Tag und ebnete der Elektrifizierung der Welt den Weg. Technologische Entwicklungen sind die Grundlage unseres Wohlstands. Und Deutschland gilt weltweit als eine der wichtigsten Industrienationen.

Wie lange das allerdings noch so bleibt, hängt von der Innovationskraft ab, die Deutschland aufbieten kann. Denn andere Länder sind auf dem Vormarsch. Die Innovationszyklen werden immer kürzer, gesellschaftliche Umbrüche zunehmend radikaler. Die digitale Transformation bringt Unternehmen in Zugzwang, und diese wirken zu großen Teilen wie gelähmt von den Anforderungen, denen sie sich gegenübergestellt sehen.

Der entscheidende Innovationsfaktor ist dabei der Mitarbeiter – er rückt als wichtigste Ressource in den Mittelpunkt des unternehmerischen Interesses, denn sein Wissen ist der Motor der modernen Dienstleistungsgesellschaft. Nur durch seine Leistungen sind Unternehmen in der Lage, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und zu verbessern.

Die bestimmenden Faktoren des Privatmenschen

Die Tatsache, dass sich die Industriegesellschaft zu einer Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft entwickelt und auch die Rolle des Mitarbeiters sich in diesem Zuge stark verändert, hat unmittelbaren Einfluss auf die Arbeitswelt. Wandel wird zur bestimmenden Größe, Schnelligkeit und Flexibilität zu entscheidenden Erfolgsfaktoren.

Arbeitnehmer sind gleichzeitig immer auch Privatmenschen und wollen die neu gewonnenen Annehmlichkeiten moderner Technologien gerne in ihr Arbeitsumfeld übertragen sehen. Bestimmende Faktoren auch hier: Vernetzung, Schnelligkeit, Unmittelbarkeit der Kommunikation, Flexibilität. Die Definition von Arbeit verändert sich grundlegend.

Arbeit gewinnt einen neuen Stellenwert. Die Gen Y möchte nicht nur arbeiten, um Geld zu verdienen, sondern sucht verstärkt Sinnhaftigkeit in ihrem Tun. Gleichzeitig führt die demografische Entwicklung dazu, dass Unternehmen sich um diesen speziellen Nachwuchs besonders bemühen und ihnen in ihren Wünschen entgegenkommen müssen. Denn anders ist dem Fachkräftemangel nicht zu begegnen.

Agile Strukturen und experimentelle Führung sollen den Mitarbeiter leistungsfähiger machen und Innovationen vorantreiben. Home Office und flexible Arbeitszeitmodelle kommen der erwünschten Flexibilität und dem Selbstverwirklichungsdrang der Mitarbeiter nach.

Zudem bedingt die Schnelllebigkeit der Gesellschaft eine neue Form der Ausbildung: das lebenslange Lernen – wer nicht am Ball bleibt, hat bald ausgedient. Das gilt für Mitarbeiter und Unternehmen gleichermaßen.

Wandel durch Digitalisierung

Die Digitalisierung krempelt die Wirtschaft um, doch es scheint, als hinke die Arbeitswelt in dieser Entwicklung immer noch hinterher. Die zunehmende Pluralisierung der Gesellschaft und sozialer Beziehungen und die Abnahme einheitlicher Lebensformen und -wege werden in der Arbeitswelt nicht umfassend genug abgebildet.

Die Folge: Unternehmen können den neuen Ansprüchen an die Verzahnung von Leben, Lernen und Arbeiten bisher noch recht wenig entgegensetzen. Die Crux daran ist, dass davon ausgegangen werden kann, dass diese Diskrepanz weiter wachsen wird, wenn Unternehmen nicht aufwachen und den Einfluss aktueller Trends auf die Arbeitswelt ernst nehmen.

Der technologische Wandel wird stärker an Fahrt aufnehmen und mit ihm der Wandel der Arbeitswelt – wir entwickeln uns von „schneller, höher, weiter“ zu „grundlegend anders“: Die nächste Generation von Autos wird beispielsweise nicht einfach mehr PS haben – stattdessen sind die Autos von morgen elektrisch betrieben oder noch weiter gedacht: selbstfahrend.

Wer sich heute schon von der Digitalisierung überfordert fühlt, hat in Zukunft schlechte Karten. Die Tipping-Points digitaler Entwicklungen, wie Künstliche Intelligenz, selbstfahrende Autos und 3D-Druck, werden von Technologieexperten für 2025 erwartet. Sie werden für Disruptionen in Wirtschaft, Medizin und Verkehr sorgen.

Schöne, neue Arbeitswelt

Welche grundlegenden Änderungen stehen dann der Arbeitswelt bevor? Wir werden es mit Entwicklungen zu tun bekommen, die zum aktuellen Zeitpunkt kaum vorstellbar sind, aber in wenigen Jahren oder Jahrzehnten wie selbstverständlich unseren (Arbeits-) Alltag bestimmen werden.

Die Frage, die sich stellt: Welche Veränderungen sind derzeit absehbar und wie werden sie unsere Art zu arbeiten weiter beeinflussen? Dazu stellt Hermann Arnold, Verwaltungsratspräsident der Haufe-umantis AG und Ermutiger, einige Thesen auf.

Interview mit Hermann Arnold, Mitgründer und Ermutiger der Haufe Umantis AG

Die Uberisierung der Arbeit

Arnold spricht von der Internetrevolution, die JETZT in Unternehmen beginnt und nun all diejenigen Dinge ermöglicht, die Mitarbeiter außerhalb ihres Jobs schon wie selbstverständlich nutzen. Er prognostiziert eine Uberisierung der Arbeit: Viele Prozesse werden in Zukunft durch Plattformen organisiert sein, die es erlauben, agiler und selbständiger zu arbeiten. Mitarbeiter werden eine viel größere Wahlfreiheit haben, als es bislang der Fall ist.

Das erfordert ein Umdenken – nicht nur auf Seiten der Arbeitnehmer, sondern auch der Unternehmen. Doch ist den Geschäftsführern und Managern auch bewusst, dass sie ihre bestehenden Prozesse hinterfragen müssen? Sind die aktuellen Entwicklungen bereits bei ihnen angekommen? Wie bewerten sie die unaufhaltsame Realität und wie reagieren sie darauf?

Viele Gespräche mit Verantwortlichen zeigen, dass die derzeitigen Herausforderungen zwar bekannt sind, es an praktikablen Lösungsansätzen aber noch fehlt. Die wenigsten wissen, wie sie den Wandel der Arbeitswelt in ihrem Unternehmen abbilden sollen – und vor allem, wer für den Change verantwortlich zeichnen soll. 

Wandel von innen heraus

Die Infografik zeigt, worauf es in Zeiten von Digitalisierung & Co. vor allem ankommt: auf Agilität und Flexibilität. Das sind die neuen Erfolgsfaktoren, die zu Effizienz, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit – Qualitätsmerkmale, die auch weiterhin ihre Gültigkeit haben werden – hinzukommen.

Innovationskraft und Rapid Response gewinnen eine neue und deutlich gesteigerte Bedeutung. Denn die Märkte werden schnelllebiger, die Kunden erwarten schnellere Informationsflüsse und Innovationszyklen.

Wie können Unternehmen den neuen Anforderungen von Markt und Kunden, aber auch denen ihrer Mitarbeiter, gerecht werden? Sicherlich bedarf es eines modernen Arbeitsplatzes und einer ausgeklügelten Employer Branding-Strategie. Aber Unternehmen werden nicht darum herum kommen, auch an ihren Grundfesten zu rütteln. Der Wandel muss vom Inneren eines Unternehmens ausgehen, um nachhaltig zu sein.

Von Innen nach Außen - Starre Strukturen aufbrechen

Das Organisationsdesign, die Struktur eines Unternehmens, muss völlig neu gedacht werden – ebenso wie bisherige Führungsmodelle. Denn gerade auch hier gilt es in Zukunft, agil und flexibel zu sein. Starre Strukturen und Prozesse dürfen Unternehmen nicht blockieren. Vielmehr müssen sie in der Lage sein, sich permanent an den unterschiedlichen Bedürfnissen ausrichten zu können.

Wer aber zeichnet für diesen Change im Unternehmen hin zu einer "Arbeitswelt 2020" verantwortlich? Es ist ganz klar eine Management-Aufgabe. Doch auch dem Human Resources Management kommt in diesem Transformationsprozess eine entscheidende Rolle zu. Denn als Schnittstelle zwischen Unternehmensführung und Mitarbeitern ist es prädestiniert dafür, den dringend notwendigen Bruch mit tradierten Prozessen, Unternehmenskulturen und Führungsstilen herbeizuführen.

Dafür muss sich die festgefahrene Personalfunktion jedoch grundlegend neu erfinden und mit viel Kreativität die Transformation in zukunftsfähige Organisationen vorantreiben.

Die neuen Aufgaben von HR

Die Fragestellungen, die HR jetzt beantworten muss, lauten: Wie sieht die Arbeitswelt der Zukunft aus? Wie stelle ich Agilität und Innovation sicher? Wie gewinne ich die besten Köpfe im War for Talents? Letzteres lässt sich sicher mit einem professionellen Employer Branding erreichen.

Durch die glaubwürdige Positionierung als attraktiver Arbeitgeber wird es einem Unternehmen deutlich einfacher gelingen, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen – und das ist ein wesentlicher Faktor, um dem Wettbewerb den entscheidenden Sprung voraus zu sein. Doch auch die bestehenden Mitarbeiter sollten HR-Verantwortliche immer im Blick haben.

Hier ergeben sich zwei Fragestellungen

Erstens: Stehen alle Mitarbeiter hinter dem Wandel, den das Unternehmen durchlaufen muss? Die Digitalisierung etwa ist sicherlich ein Treiber und Basis für den Change, ausschlaggebend für die Umsetzung ist aber eine kulturelle Transformation. Veränderungen von solch großer Tragweite, wie es die Umgestaltung eines Unternehmens hin zu einer zukunftsfähigen Organisation ist, können nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn die Mitarbeiter selbst von dem Wunsch nach Veränderung getrieben sind.

Zweitens: Sind alle Beschäftigten fit für die Arbeitswelt 2020? Verfügen sie zum Beispiel über die notwendigen Kompetenzen, um mit neuen Technologien effektiv umgehen zu können? Das aktuelle Edenred-Ipsos-Barometer, eine Umfrage unter 800 Arbeitnehmern in Deutschland, zeigt etwa, dass 70 Prozent der Mitarbeiter der Meinung sind, mit digitalen Prozessen und Tools vertraut zu sein.

HR muss jedoch darauf achten, dass auch wirklich alle Mitarbeiter dazu befähigt werden, sich in einer digitalen und agilen Arbeitswelt zurechtzufinden. Individuelle Weiterbildungen, breit angelegte Informationsveranstaltungen und interne Austauschmöglichkeiten können hier zielführende Wege sein.

Ebenso müssen Mitarbeiter ihre Kenntnisse und Fähigkeiten in den Arbeitsalltag einbringen können. Laut einer global angelegten Umfrage des Marktforschungsinstituts Vanson Bourne im Auftrag von VMware unter 5.700 Angestellten kleiner und mittelständischer Unternehmen gibt es hierbei noch deutlichen Nachholbedarf.

Damit wird eine weitere Baustelle offensichtlich, der sich HR-Manager annehmen müssen: eine zeitgemäße technologische Ausstattung. Zum einen geht es darum, den Mitarbeitern neue Technologien und Tools zur Verfügung zu stellen, mit denen eine schnelle und agile Arbeitsweise sichergestellt werden kann. Zum anderen müssen aber auch die Personalverantwortlichen selbst mit modernen HR-Softwarelösungen etwa für das Zeugnis- oder das Talentmanagement arbeiten, damit mehr Zeit für strategische Aufgaben wie eben das Vorantreiben des Changes aufgewandt werden kann.

Es wird Zeit, dass sich was ändert

Es gehört viel Mut dazu, ein Unternehmen in all seinen Bestandteilen neu zu denken. Vor allem brauchen die Verantwortlichen – im Idealfall Geschäftsführung, HR, IT und Kommunikation – den Mut, zu experimentieren.

Sie müssen sich bewusst sein, dass die richtige Lösung für ihr Unternehmen nicht im Lehrbuch zu finden sein wird. Jedes Unternehmen ist mit allen seinen Mitarbeitern und Prozessen einzigartig. Es kann keine allgemeingültige Formel geben, wie sich Unternehmen für die Arbeitswelt 2020 aufstellen sollen.

Es gilt, den individuellen Lösungsweg durch neue Ideen und Mut zum Risiko herauszufinden. Die Aufgaben von HR werden sich stark ändern. Davor dürfen die Personalmanager jedoch keine Angst haben. Vielmehr sollten sie die neuen Herausforderungen als Chance begreifen, um sich als strategisch wichtigen Player zu positionieren – sowohl extern als auch intern.

Altes in Frage stellen - die Arbeitswelt 2020

Häufig wird die HR-Abteilung als administratives Organ abgestempelt, das sich vor allem um Verträge und Gehaltsabrechnungen kümmert. Es wird Zeit für einen Imagewandel. HR muss sich von seinen langjährigen Fesseln lösen, sich grundlegend erneuern und vom Management als Partner auf Augenhöhe wahrgenommen werden.

Die Arbeitswelt 2020 bietet dazu die ideale Gelegenheit. Denn sie stellt die Grundmanifeste der Managementtheorien der letzten Jahrzehnte in Frage – und liefert HR damit die perfekte Ausgangsbasis, sich neu auszurichten und zu einem Innovationstreiber zu werden.